„Fast ein jeder hat die Welt geliebt
Wenn man ihm zwei Hände Erde gibt.“

Brecht


 

Den Leitfaden der XIII. Tagung des Verbandes der Deutschlehrer und Germanisten der Slowakei (SUNG), die am 2. und 3. Juli 2018 an der Katholischen Universität in Ružomberok stattfindet, bildet die Vorstellung von einer wünschenswerten Ordnung der globalisierten und vernetzten Welt, die durch positive Werte geprägt ist, zu denen Zusammenarbeit, Solidarität, Partizipation, Menschlichkeit, Akzeptanz, Respekt, Empathie, Fairness, ethischer Umgang, Soziabilität und Geselligkeit, der Wille zur Verständigung und zum Dialog gehören. Für die einzelnen Philologien, darunter auch für die Germanistik, brachten die globalen gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte sowohl die Notwendigkeit einer weitgehenden Internationalisierung als auch neue Anregungen zur interdisziplinären Zusammenarbeit und zum Austausch mit anderen Wissensbereichen, was ab Ende des XX. Jahrhunderts zur kulturwissenschaftlichen Neuorientierung des Fachs führte. Die genannten Werte, die nicht nur einen Ausgangspunkt für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft, sondern auch den festen axiologischen Hintergrund für die Entwicklung einer Germanistik der ‚Jetztzeit‘ bilden, bringt der Titel der Tagung „Von der Freundlichkeit der Welt“, inspiriert durch das gleichnamige Gedicht von Bertolt Brecht, zum Ausdruck. Auch wenn die vielfachen Implikationen dieses ambivalenten Gedichts, das in den turbulenten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist (1921) – ebenso wie des späteren „Gegenlieds zu Von der Freundlichkeit der Welt“ (1955) – das Idealistische und Utopische an dem im Titel enthaltenen Konzept in Frage stellen, belegt die lebensweltliche Praxis dessen überzeitliche Notwendigkeit. Die Veranstalter der Tagung werden von der Überzeugung geleitet, dass zur Verbreitung und Durchsetzung jener positiven sozialen Werte, die zur „Freundlichkeit der Welt“ führen, die Geisteswissenschaften, somit auch die Fachdisziplinen der Germanistik (Literaturwissenschaft, Linguistik, DaF und Translatologie) einen wesentlichen Beitrag leisten.

Auch wenn dieser Gedanke nicht neu ist – als ein Signum des demokratischen Geistes liegt er der Entwicklung der wissenschaftlichen Germanistik und ebenso der deutschen Sprachpädagogik mindestens seit den 1960er Jahren zugrunde –  entwickelt sich die Germanistik extra muros in unterschiedlichen kulturellen, politischen und bildungspolitischen Verhältnissen. Für die Vorträge, bzw. für die Tagungsdiskussion möchten wir solche Themenkreise vorschlagen, bei denen die Erfahrungen der internationalen Auslandsgermanistik und des mit ihr eng verbundenen Deutschunterrichts berücksichtigt werden können. Willkommen sind aber auch Vortragsthemen, die den vorgeschlagenen Themenkreisen nicht entsprechen, aber aus germanistischer Sicht „zur Freundlichkeit der Welt“ beitragen wollen.

 

Die von den Veranstaltern vorgeschlagenen Themenkreise:

  • Sprachliche Kommunikation und Akzeptanz
  • Nichtpragmatische Kommunikation im Sprachunterricht und in der Literatur
  • Soziale Interaktion im Sprachunterricht
  • Bedeutung der Konzepte der political correctness, ihre Möglichkeiten und Grenzen
  • Humanisierungskonzepte in Sprach- und Literaturwissenschaften
  • Literarische bzw. philosophische Konzepte der Freundschaft
  • Ethische Aspekte der Sprachpädagogik
  • Wünschenswerte Heterotopien
  • Kulturelle Vielfalt und Interkulturalität
  • Literarische Übersetzung als Form kultureller Annäherung